Kommunalwahl in Köln: CDU stärkste Fraktion im Rat
Sunday, 16. August 2009

CDU-Bürgermeisterkandidat Peter Kurth liegt mit 30,3 Prozent weit hinter Jürgen Roters, der mehr als 58 Prozent Zustimmung der Wähler erreichen kann. Das ist das Egebnis einer repräsentativen Umfrage von Omniquest. Bei der Wahl des Stadtrates punktet trotzdem die CDU: knapp vier Prozent liegen die Christdemokraten vor der SPD.
Köln - Mehr als 58 Prozent Zustimmung für den rot-grünen Oberbürgermeisterkandidaten Jürgen Roters, gut 30 Prozent für den CDU-Bewerber Peter Kurth und 6,3 Prozent für Ralph Sterck von der FDP - das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Omniquest, die der „Kölner Stadt-Anzeiger“ zur Kommunalwahl am 30. August in Auftrag gegeben hat. Damit würde der Sozialdemokrat Roters zum Nachfolger Fritz Schrammas (CDU) gewählt, dessen neunjährigen Amtszeit am 20. Oktober 2009 endet.
Martin Müser, der Kandidat der freien Wählergemeinschaft Kölner Bürger Bündnis, kommt in der Umfrage auf 3,2 Prozent. Der Vertreter der rechtsextremen „Bürgerbewegung Pro Köln“, Markus Beisicht erhält 1,6 Prozent. Gut jeder sechste der Befragten (15, 8 Prozent) hat sich noch nicht entschieden, wen er wählen soll. 8,2 Prozent gaben an, sie würden nicht wählen gehen oder wollten die Frage nicht beantworten.
Omniquest hatte im Zeitraum vom 4. bis 10. August 1000 Kölnerinnen und Kölner befragt, die nach eigenen Angaben bei der Kommunalwahl am 30. August wahlberechtigt sind. Bei der Sonntagsfrage nach der bevorzugten Partei liegt die CDU mit 30,2 Prozent vorn. Die SPD erreicht 26,4 Prozent. Damit befinden sich die Sozialdemokraten nur noch knapp vor den Grünen, die auf 24,9 Prozent kommen. Für die FDP gibt es 9,9 Prozent. Die Linkspartei erzielt 3,7 Prozent. Die weiteren Ergebnisse: 1,6 Prozent für Pro Köln, 1,2 Prozent für das Kölner Bürger Bündnis und 2,1 Prozent für die sonstigen Parteien.
Die CDU findet ihren stärksten Zuspruch in den Stadtbezirken Lindenthal und Nippes. Die SPD erzielt in Chorweiler und Mülheim ihre besten Ergebnisse, die Grünen in der Innenstadt und in Ehrenfeld. Die „Hochburgen“ der FDP befinden sich in Rodenkirchen und Lindenthal.
Zwar hat die CDU im Vergleich zu einer Meinungsumfrage von Omniquest im vorigen März 4,1 Prozent gewonnen. Gegenüber der Wahl im Jahr 2004 verliert die Union allerdings 2,5 Prozent. Die SPD hat seit März rund neun Prozent eingebüßt und liegt damit um knapp fünf Prozent unter dem Wahlergebnis 2004. „Die Grünen profitieren offenbar am stärksten von der Schwäche der SPD und legen als drittstärkste Kraft von 19,6% im März deutlich auf 24,9% zu“, so Omniquest-Geschäftsführer Falk Böhmer. Im Vergleich zur Kommunalwahl 2004 ergibt sich für die Grünen ein Plus von 8,3 Prozent. FDP und Linke haben ihre März-Ergebnisse in etwa gehalten.
Zum Zeitpunkt der Erhebung hatten sich allerdings 17 Prozent der Befragten noch nicht auf eine Partei festgelegt. Nahezu zehn Prozent sagten, sie wollten nicht wählen gehen oder gaben keine Antwort. „Unentschlossenheit ist insbesondere bei weiblichen Befragten und den Wahlberechtigten mit Schulabschlüssen Volksschule / Hauptschule und Mittlere Reife zu beobachten, ferner überdurchschnittlich stark in den Stadtteilen Porz und Mülheim“, so Böhmer. Diese Gruppe der Unentschlossenen könne auf die in der Studie ermittelten Ergebnisse am Wahlsonntag noch spürbar Einfluss nehmen.
Die Meinungsforscher beschäftigten sich im Zusammenhang mit der Oberbürgermeisterwahl auch mit der Frage, für welchen Kandidaten die Anhänger der einzelnen Parteien, die sich bereits entschieden haben, stimmen wollen. Demnach wollen nahezu zehn Prozent derjenigen, die der CDU nahe stehen, den Sozialdemokraten Roters wählen. Knapp 90 Prozent wollen auf dem Stimmzettel den Namen Kurths ankreuzen. Der rot-grüne Kandidat kann auf eine höhere Zustimmung im eigenen Lager hoffen: Annähernd 98 Prozent der SPD-Wähler und gut 90 Prozent der Grünen-Wähler votieren für den ehemaligen Kölner Polizei- und Regierungspräsidenten. Rund sechs Prozent der Grünen-Sympathisanten entscheiden sich für den Christdemokraten Kurth.
Ein viel diskutiertes Thema ist die Kandidatur des FDP-Fraktionsvorsitzenden Ralph Sterck für das Amt des Oberbürgermeisters. Vergeblich versuchte die CDU, den Liberalen zum Verzicht zu bewegen - in der Hoffnung auf Stimmen aus dem FDP-Lager für ihren eigenen Kandidaten Kurth. Wie sieht das Wahlverhalten der FDP-Anhänger aus? 48,5 Prozent von ihnen wollen Sterck am Wahlsonntag unterstützen. 24,6 Prozent gaben an, sie würden Kurth wählen. Für Roters ist die Zustimmung aus dem Kreis der FDP-Wähler nur wenig geringer - 22,2 Prozent.
Sollte Sterck seine Kandidatur noch aufgeben und für Kurth werben, um dessen Chancen zu verbessern? Die Meinungsforscher wollten wissen, wie die Wähler zu dieser Frage stehen. Nein, das sollte Sterck nicht, finden nahezu 52 Prozent der Befragten. 27 Prozent halten einen Verzicht für richtig. Etwa zehn Prozent der Kölnerinnen und Kölner wäre die Entscheidung egal. Unter den FDP-Wählern ist die Zustimmung für Stercks Bewerbung am stärksten. 66 Prozent raten von einem Rückzug ab.
Bei den zurückliegenden Oberbürgermeisterwahlen brauchten die Kandidaten noch die absolute Mehrheit. Erreichte keiner der Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen, gab es eine Stichwahl zwischen den beiden Politikern mit den besten Ergebnissen. Diese Regelung ist von der schwarz-gelben Landesregierung geändert worden. Die Stichwahl ist abgeschafft, es reicht die Mehrheit der abgegeben Stimmen. Auch dazu wurden die Teilnehmer der Umfrage um ihre Meinung gebeten. Eine hauchdünne Mehrheit äußerte sich gegen die Abschaffung der Stichwahl. 46,8 Prozent halten die Düsseldorfer Entscheidung für falsch, 45 Prozent für richtig. Die Landes-SPD hatte die Änderung des Wahlrechts heftig kritisiert. Bemerkenswert ist, dass die SPD-Anhänger mehrheitlich für die Änderung sind, die CDU-Anhänger den Wegfall der Stichwahl dagegen in der Mehrheit ablehnen.
Gute Ausgangslage für Rot-Grün
Der CDU-Kandidat leidet unter „Bekanntheitsdefizit“, die SPD unter dem Bundestrend. Die Grünen feiern 24,9 Prozent. Die Kölner Parteien sehen die jüngsten Umfrage-Ergebnisse als „Ansporn für den Endspurt” im Wahlkampf.
Köln - Außer bei den Grünen haben die Ergebnisse der repräsentativen Meinungsumfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit dem Forschungsinstitut „Omniquest“ bei den Parteien eher verhaltene Reaktionen zur Folge. CDU, SPD und FDP sprachen gleichermaßen davon, ihre Umfrage-Ergebnisse als „Ansporn für den Endspurt“ zu sehen.
„Umfragen sind keine Ergebnisse“, sagt CDU-OB-Kandidat Peter Kurth. Seiner Meinung nach geben die Zahlen „die Stimmung in der Stadt nicht so richtig wieder.“ In der Umfrage hatten nur 30,3 Prozent der bereits entschiedenen Kölner erklärt, für ihn zu stimmen. Das sei die Folge eines „Bekanntheitsdefizits“, so CDU-Parteichef Jürgen Hollstein. Er sei nicht glücklich über die Zahlen, „aber der Trend stimmt“. Mit 30,2 Prozent war die CDU in der Umfrage stärkste Partei geworden. Das sei „überraschend und schwer nachvollziehbar“, meint der OB-Kandidat von SPD und Grünen, Jürgen Roters. Nach den Skandalen um Bietmann, Müller und Blömer hätte er ein deutlich schwächeres Ergebnis für die CDU erwartet, so Grünen-Parteichef Stefan Peil.
Die Umfrage sieht eine Mehrheit für SPD und Grüne im Rat und einen deutlichen Vorsprung für Roters bei der OB-Wahl. „Die Ausgangslage ist gut“, so Roters. Man dürfe sich aber nicht zu früh allzu sicher sein. SPD-Parteichef Jochen Ott glaubt, weiterhin das Ziel erreichen zu können, dass SPD stärkste Partei im Stadtrat werde. In der Umfrage waren die SPD auf magere 26,4 Prozent gekommen. Die Grünen liegen mit 24,9 Prozent nur knapp dahinter.
Roters sieht einen Grund für die Zahlen in der bundespolitischen Stimmung, unter der die SPD leide, während die Grünen davon profitierten. Die Perspektive, „auf Augenhöhe“ mit der SPD in den Rat einzuziehen, sorgte bei den Grünen für Feierlaune. „Super“ sei das Ergebnis, so Parteichefin Katharina Dröge, die die Grünen auf dem Weg zur zweitstärksten Partei sieht - „hinter wem, ist egal“. Parteichef Stefan Peil nannte es eine „Herausforderung, im Wahlkampf alles zu geben, damit diese Zahlen auch erreicht werden“. Dann werde es „mehr Grün in der Stadtpolitik und mehr grünes Personal an der Stadtspitze“ geben.
„Noch ein Schüppchen drauflegen“, will auch die Kölner FDP, so Parteichef Reinhard Houben. Über die 9,9 Prozent in der Umfrage sei man „zufrieden“. Man sehe sich „aber am unteren Rand unserer Möglichkeiten“. Man wolle deutlich über zehn Prozent kommen, meinte der OB-Kandidat der FDP, Ralph Sterck, der sich in der Entscheidung, selbst anzutreten, bestätigt sieht. Wichtigstes Ziel bleibe, eine rot-grüne Mehrheit im Stadtrat zu verhindern.
Überrascht zeigten sich die Vertreter von CDU, SPD, Grünen und FDP darüber, dass in der Umfrage nur zehn Prozent angaben, nicht wählen gehen zu wollen. Auch die vergleichsweise niedrige Zahl der Noch-Unentschlossenen von 17 Prozent fanden einige nicht nachvollziehbar. „Ich glaube, dass sich die Allermeisten erst in den letzten zwei Wochen entscheiden“, so CDU-Kandidat Kurth. Das werde ihm nutzen. FDP-Mann Sterck empfahl Kurth, „in den letzten zwei Wochen noch ein paar Raketen zu zünden“. SPD-Chef Ott sieht die Gruppe der Unentschlossenen dagegen vor allem als Chance für seine Partei. „Offenkundig hat die CDU ihr Wählerpotenzial ausgeschöpft. Für uns dagegen ist noch jede Menge Zugewinn möglich.“
Spielraum nach oben sehen auch die Linken, die ihrem mageren Umfrage-Ergebnis von 3,7 Prozent misstrauen. Das widerspreche allen bisherigen Wahlergebnissen, so Fraktionschef Jörg Detjen. Positiv bewerteten die Vertreter der befragten Parteien das schwache Abschneiden der rechtsextremen Gruppierung „Pro Köln“, die in der Umfrage nur 1,6 Prozent erreichte.
Kleine Parteien legen stark zu
Zehn Tage vor den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen ist das Rennen vielerorts gänzlich offen. Bei den Oberbürgermeisterwahlen liegen die Kandidaten der SPD mehrheitlich vorne. Bisweilen scheint die CDU die stärkste Partei im Land zu beleiben.
Düsseldorf - Rückenwind für viele SPD-Bewerber um Oberbürgermeister-Posten, obwohl die CDU stärkste Kommunalpartei im Land zu bleiben scheint und die kleinen Parteien ordentlich zulegen - so vielseitig sieht das Stimmungsbild zehn Tage vor den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen aus, das das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks in elf nordrhein-westfälischen Großstädten repräsentativ ermittelt hat.
Bei den Oberbürgermeisterwahlen liegen die SPD-Kandidaten mehrheitlich vorne. Ausgesprochen spannend wird das Rennen in Aachen, wo die Kandidaten Karl Schultheiß (SPD) und Marcel Philipp (CDU) mit jeweils 39 Prozent gleichauf liegen, und in Bonn, wo Jürgen Nimptsch (SPD) mit 38 Prozent nur knapp von Christian Düring (CDU, 35 Prozent) liegt. Auch in Essen scheint es eng zu werden, wo SPD-Bewerber Reinhard Paß in der Umfrage nur einen Prozentpunkt mehr als Franz-Josef Britz (CDU) erreicht.
Roters liegt in Köln vorn
Nach klareren Verhältnissen sieht es in Köln aus. Die Umfrage für den WDR bestätigt die Werte, die Omniquest vor wenigen Tagen im Auftrag des "Kölner Stadt-Anzeiger" ermittelte: Der rot-grüne Kandidat Jürgen Roters liegt mit 56 Prozent deutlich vor dem CDU-Kandidaten Peter Kurth (32 Prozent).
Auch in Dortmund kann die SPD den Oberbürgermeisterposten vermutlich behaupten. Ulrich Sierau (SPD) hat momentan zehn Prozentpunkte Vorsprung auf Joachim Pohlmann, der als Kandidat für CDU und FDP ins Rennen geht. Fast entschieden scheint das Rennen in Duisburg. Hier kommt Amtsinhaber Adolf Sauerland (CDU) auf 54 Prozent, sein Herausforderer Jürgen C. Brandt (SPD) erreicht nur 24 Prozent. Auch an den Chefsesseln der Christdemokraten in den Rathäusern von Münster und Wuppertal dürfte nicht ernsthaft gerüttelt werden.
CDU dominiert in den Räten
In den Räten dominiert nach dem "Städte-Trend" des WDR die CDU. In Bonn, Münster oder Siegen muss sie zwar Einbußen hinnehmen, bleibt aber stärkste Fraktion. Die SPD verfügt danach lediglich in Dortmund über eine Mehrheit im Rat. In Duisburg und Köln sind SPD und CDU in etwa gleich stark. Einen Einbruch erleben die Sozialdemokraten in Düsseldorf, wo es diesmal keine OB-Wahl gibt. Hier verlieren sie rund zehn Prozentpunkte im Vergleich zur vergangenen Kommunalwahl.
Während die beiden großen Parteien SPD und CDU insgesamt an Zuspruch verlieren, legen die kleinen Parteien in der WDR-Umfrage überwiegend zu. Am stärksten profitiert die FDP, sie erreicht ihr bestes Umfrageergebnis mit 13 Prozent in Düsseldorf. Drittstärkste Kraft in den Kommunen bleiben voraussichtlich die Grünen. In Köln kommen sie auf 21 Prozent, fast fünf Punkte mehr als bei der letzten Kommunalwahl. Die Partei Die Linke ist besonders im Ruhrgebiet stark. In Essen erreicht sie 8 Prozent, vor fünf Jahren hatte die PDS dort nur halb so viel Stimmen geholt. Ein großer Teil der Befragten ist der Umfrage zur Folge noch unentschieden oder weiß nicht, ob er überhaupt zur Wahl geht. (ger)
Wer wird Fritz Schrammas Nachfolger?
Kölner CDU sucht einen Nachfolger
Köln (RPO) – Fünf Kandidaten wollen Oberbürgermeister von Köln werden. Chancen werden aber nur dem gemeinsamen Kandidaten von SPD und Grünen, Jürgen Roters, und dem CDU-Bewerber Peter Kurth eingeräumt. Der amtierende Oberbürgermeister Fritz Schramma verzichtete nach anhaltender Kritik an seinem Krisenmanagement nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs auf eine erneute Kandidatur.
2009 ist ganz gewiss nicht das Jahr von Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU). Der Einsturz des Stadtarchivs am 3. März und der damit verbundene Tod von zwei jungen Männern trafen den rheinischen Gemütsmenschen Schramma schwer. Bis zum Unglück in der Südstadt hatte der joviale und bürgernahe Studiendirektor als Favorit bei der Kommunalwahl am 30. August gegolten. Angesichts der anhaltenden Kritik an seinem Krisenmanagement und der mangelnden Unterstützung durch die Landespartei verzichtete Schramma am 29. März zermürbt auf eine erneute Kandidatur. Nun bereitet er schrittweise seinen Abschied von dem Amt vor, das er fast neun Jahre mit Leib und Seele ausgefüllt hat.
Fünf Kandidaten bewerben sich um die Nachfolge des 61-Jährigen. Erfolgsaussichten werden aber nur dem gemeinsamen Kandidaten von SPD und Grünen, Kölns ehemaligen Polizeichef und Regierungspräsidenten Jürgen Roters, sowie dem CDU-Bewerber Peter Kurth eingeräumt. Eine wichtige Rolle spielt auch der FDP-Kandidaten Ralph Sterck, der Kurth dringend benötigte Stimmen aus dem bürgerlichen Lager kosten könnte.
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Omniquest kommt Roters auf 58,6 Prozent der Stimmen. CDU-Bewerber Kurth liegt nur bei 30,3 Prozent. Für den FDP-Kandidaten Sterck würden 6,3 Prozent stimmen. Knapp ein Viertel der Befragten (24 Prozent) nennen keinen Kandidaten. 15,8 Prozent haben sich noch nicht entschieden.
Es gibt also angesichts der Unentschlossenen noch Hoffnung für den ehemaligen Berliner Finanzsenator Kurth, den die Kölner CDU erst nach einer quälend langen Kandidatenkür an den Rhein geholt hat. Der eloquente gebürtige Siegburger kommt durchaus an in Köln, Beobachter fragen sich allerdings, ob er seine Partei wirklich hinter sich hat.
Seine brüske Absage an den Klüngel und jedwede parteipolitische geprägte Pöstchenverteilerei irritiere manch christdemokratisches Urgestein, hört man aus Parteikreisen. Für Befremden sorgt mitunter auch Kurths mangelnde Begeisterung für den Karneval und den 1. FC Köln, während seine Homosexualität wohl kein Problem mehr für die Partei ist. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Kurth für seine eher undankbare Mission in Köln mit einem Posten in der zukünftigen NRW-Landesregierung entschädigt werden soll.
Ein weiteres Problem für die Kölner CDU ist die am 4. August erfolgte Verurteilung ihres früheren Vorsitzenden Richard Blömer wegen einer Wahlspendenaffäre vor zehn Jahren. Der aktuelle Parteichef Jürgen Hollstein sprach von einem harten Urteil, das die Partei ausgerechnet zur Kommunalwahlzeiten getroffen hat. Peter Kurth forderte Blömer unverblümt zum Rücktritt von seinem Posten als Chef des einflussreichen CDU-Stadtbezirks Lindenthal auf. Doch offenbar denkt Blömer gar nicht an Rücktritt, da er sich für unschuldig hält und gegen seine einjährige Bewährungsstrafe Berufung einlegen will.
Derweil hoffen die Christdemokraten immer noch, dass FDP-Kandidat Ralph Sterck in letzter Minute auf seine Bewerbung verzichtet. Sterck rät inzwischen listig zumindest indirekt zum Stimmensplitten. Sehr gerne dürften liberale Sympathisanten ihre Kreuze bei den FDP-Kandidaten für Stadtrat und Bezirksvertretung machen. Wer allerdings einen bürgerlichen Oberbürgermeister wünsche, solle sich doch für den Bewerber entscheiden, der die größten Erfolgsaussichten hat.
Der gemeinsame Kandidat von SPD und Grüne, Jürgen Roters, ist im Wahlkampf bislang noch nicht durch allzu pointierte Aussagen aufgefallen. Verständlich, muss er doch auf die durchaus unterschiedlichen Positionen der beiden Parteien Rücksicht nehmen, die er hinter sich hat. Da ist wohl einfacher, den Wählern von seinen früheren Erfolgen als Kölner Polizeipräsident zu berichten.
Fritz Schramma hat sich zu seinen weiteren politischen Plänen noch nicht geäußert. Aus seinem Umfeld verlautete, dass er sich bei der Wahl im Frühjahr um einen Sitz im Landtag bemühen will. Allerdings müsste zugunsten des Kölners ein anderer Bewerber verzichten, aufgrund des Regionalproporzes in der nordrhein-westfälischen Union ein Rheinländer. Das dürfte kaum freiwillig geschehen. Und da ist noch das angespannte Verhältnis von Schramma zu der Landespartei, der er nach seinem Rückzug mangelnde Unterstützung vorgeworfen hatte.
Köln - OB-Wahl-Umfrage
Wenn morgen Oberbürgermeisterwahl wäre, gäbe es einen klaren Sieger: Jürgen Roters (SPD), gemeinsamer Kandidat von SPD und Grünen.
58,6 Prozent der Kölner würden sich für ihn als OB entscheiden, 30,3 Prozent für Peter Kurth (CDU). Und Roters hätte dann eine absolute rot-grüne Mehrheit (51,3 Prozent) im Stadtrat hinter sich. Allerdings: Die Grünen wären mit 24,9 Prozent auf Augenhöhe mit der SPD (26,4 Prozent).
Das ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Omniquest in einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von EXPRESS und Kölner Stadt-Anzeiger. 1000 Kölnerinnen und Kölner aller Altersgruppen, Stadtbezirke, Schulabschlüsse und Berufsgruppen wurden von dem Bonner Institut befragt.
• Satte 58,6 Prozent: Der gemeinsame rot-grüne Kandidat Jürgen Roters (SPD) wäre klarer Sieger der OB-Wahl.
• CDU-Kandidat Peter Kurth kommt bei der Umfrage auf 30,3 Prozent,
• Ralph Sterck (FDP) auf 6,3 Prozent,
• Markus Kurt Beisicht von der rechtsextremen Organisation „pro Köln“ auf 1,6 Prozent und
• Dr. Martin Müser (Freie Wähler/Kölner Bürger Bündnis) auf 3,2 Prozent.
Dieses Ergebnis bezieht sich nur auf die Befragten, die sich bereits explizit für einen der zur Wahl stehenden Kandidaten entschieden haben.
Die Werte können sich aber noch verschieben, denn 24 Prozent der Befragten haben sich noch nicht entschieden, wollen nicht wählen oder machten keine Angaben.
Im Vergleich zur Umfrage im März, bei der Roters auch gegen den damaligen CDU-Kandidaten und Amtsinhaber Fritz Schramma mit 50 Prozent klar vorn gelegen hatte, legt der rot-grüne Kandidat noch einmal 8,6 Prozentpunkte zu. Am stärksten ist er im Stadtbezirk Innenstadt (67,3 %), am schwächsten im Bezirk Kalk mit „nur“ 46,9 Prozent.
Hier erreicht Kurth mit 42,2 Prozent seinen stärksten Wert, in der Innenstadt kommt er nur auf 23,6 %. Sterck schneidet in Rodenkirchen am besten ab (9,8 %), Beisicht in Ehrenfeld (3,7 %), Müser auch in Rodenkirchen (5,3 %).
Bei Männern (30,4 %) und Frauen (30,2 %) kommt Kurth gleich gut an. Roters hat mit 61,4 zu 55,7 Prozent klare Vorteile bei Frauen. Bei Sterck würden mehr Männer ihr Kreuzchen machen als Frauen (8 zu 4,7 %).
Köln - CDU-Kandidat
Zuversicht bei der SPD, eine Kampfansage von der CDU. Das sind die Reaktionen auf die große Umfrage von EXPRESS und „Kölner Stadt-Anzeiger“ zur Köln-Wahl.
Das Meinungsforschungsinstitut Omniquest hatte eine Mehrheit von SPD und Grünen im Rat sowie einen Riesen-Vorsprung von deren gemeinsamem Oberbürgermeister-Kandidaten Jürgen Roters ermittelt.
Peter Kurth, OB-Kandidat der CDU, will kämpfen: „Wer glaubt, dies ist das Endergebnis, der verkennt die Stimmung in der Stadt.“
Außerdem gehe der Wahlkampf jetzt erst richtig los. Er verspricht, noch den ein oder anderen „Trumpf aus dem Ärmel“ zu ziehen.
CDU-Chef Jürgen Hollstein will im Pool der Unentschlossenen (27 Prozent) fischen. Seine Kampfansage: „Rot-Grün ist nicht durch! Ich sehe diese Mehrheit nicht.“
Wohl aber SPD-Chef Jochen Ott. Er glaubt, dass die CDU ihr „Wählerpotenzial bereits ausgeschöpft“ habe. „Für uns dagegen ist noch jede Menge möglich.“
OB-Kandidat Jürgen Roters über seine Werte: „Die Prognose stimmt mich vorsichtig zuversichtlich.“ Und weiter: „Jetzt muss die SPD noch stärkste Fraktion werden.“
„Rot-Grün-Roters – unser Ziel ist es, dies zu verhindern“, so FDP-Fraktionschef Ralph Sterck, der an seiner OB-Kandidatur festhält. Keine Alleinherrschaft – das gibt auch Jörg Detjen, Fraktionschef der Linkspartei, als Ziel aus. „Wir holen mehr als fünf Prozent und streben so wieder wechselnde Mehrheiten im Rat an.“
„Noch ist nichts gewonnen“, tritt Jörg Frank, Fraktionsvize der Grünen, auf die Euphorie-Bremse. Die guten Werte hätten die Gefahr, „lähmendes Gift auf die Wahlkämpfer auszuströmen“. Er spricht von einem „Ansporn – aber der Endspurt steht noch bevor.“






